Kinderkrebs und Kernkraftwerke

18.02.2016 20:43

AKW und Krebs Zusammenhang

Bildquelle: Belgisches AKW Tihange; Bild: google street view

Kinderkrebs und Kernkraftwerke 

Epidemiologische Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken – KiKK-Studie

Das Deutsche Kinderkrebsregister in Mainz führte im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz von 2003 bis 2007 die Studie "Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken" (KiKK-Studie) durch.

Die Studie beschäftigte sich mit der Frage, ob Kinder unter fünf Jahren, die in der Umgebung von Kernkraftwerken wohnen, häufiger an Krebs erkranken als Gleichaltrige aus anderen Gebieten. Bereits zwei vorangegangene ökologische Studien hatten die Erkrankungshäufigkeit in Regionen um einen Reaktor mit der von Vergleichsregionen ohne Reaktor verglichen. Die Ergebnisse dieser Studien ließen einen Zusammenhang zwischen dem Wohnort und dem Auftreten von Krebs bei Kindern unter fünf Jahren vermuten. Mit der KiKK-Studie wurde dieser Zusammenhang genauer untersucht.

Das Ergebnis

Es zeigte sich im Nahbereich um deutsche Kernkraftwerke ein signifikant erhöhtes Risiko bei Kindern unter 5 Jahren, an Krebs zu erkranken. Dieser Befund beruhte im Wesentlichen auf dem Erkrankungsrisiko für Leukämien, wobei hier das Erkrankungsrisiko in etwa verdoppelt war. In Zahlen bedeutet dies, dass im 5-Kilometer-Umkreis um alle Standorte von Kernkraftwerken in Deutschland im Mittel nicht, wie zu erwarten wäre, etwa 1 Kind pro Jahr erkrankt, sondern dass die Krankheit jedes Jahr bei etwa 2 Kindern diagnostiziert wird.
 

Was die Hypothese eines Einflusses der radioaktiven Abgaben angeht, lässt sich aus den Ergebnissen keine sichere Aussage zur Kausalität zwischen der von Leistungsreaktoren ausgehenden Radioaktivität und erhöhten Erkrankungsraten machen. Nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand ist die resultierende Strahlenbelastung der Bevölkerung alleine zu niedrig, um den tatsächlich beobachteten Anstieg des Krebsrisikos zu erklären. Es ist ebenfalls unwahrscheinlich, dass andere in den Untersuchungen ebenfalls betrachtete Verursacher jeweils alleine den Befund erklären können.

 

Es gibt somit derzeit keine plausible Erklärung für den festgestellten Effekt, der über die 24 Jahre Untersuchungszeitraum ein insgesamt konsistentes Bild mit kleinen Schwankungen zeigt. Denkbar ist ein Zusammenspiel verschiedener Ursachen. Die Interaktion verschiedener Faktoren und die grundsätzlichen Entstehungsmechanismen von Leukämien bei Kindern bilden daher die Schwerpunkte der derzeit laufenden Forschungsarbeiten.

Das Ergebnis der KiKK-Studie hat dazu geführt, dass auch in anderen Ländern – Großbritannien, Frankreich, Belgien, Schweiz, Finnland, USA - entsprechende Studien durchgeführt wurden. Weitere Länder prüfen die Durchführung einer Studie.

Lesen Sie die gesamte Studie auf der Webseite des BFS.de

Link zum kompletten Bericht --> https://www.bfs.de/DE/bfs/wissenschaft-forschung/ergebnisse/kikk/kikk.html;jsessionid=712780986179338E62EDCB2BF4426608.1_cid365?cms_notFirst=true&cms_docId=6059602


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