Radon – Unsichtbare Gefahr aus dem Erdboden

12.04.2017 12:34


Radon – Das radioaktive Edelgas aus dem Erdreich

Radon ist ein radioaktives Edelgas, das im Verdacht steht, für mehr als 2000 Lungenkrebsfälle in Deutschland verantwortlich zu sein. In den USA geht man sogar von bis zu 20.000 Fällen pro Jahr aus. Bis jetzt fehlen leider jegliche Grenz- und Richtwerte, die dafür sorgen könnten, dass das gefährliche Radongas aus unseren Wohnräumen oder von unseren Arbeitsplätzen ferngehalten wird. Doch nun ist endlich Änderung in Sicht: Bis Anfang Februar 2018 muss eine neue EU-Richtlinie (Euratom 2013/59) umgesetzt werden, die auch den baulichen Radonschutz im deutschen Recht verankert. Und das ist auch gut so. Denn Radon ist nicht nur ein großes Problem in Bayern und Sachsen – auch in vielen anderen Regionen Deutschlands können hohe Radonwerte zu einem echten Problem werden.

 

Wie gefährlich ist das Edelgas Radon?

Radon ist ein unsichtbares und geruchloses radioaktives Edelgas, das überall im Boden vorkommt. Über das Erdreich kann sich das Gas seinen Weg in Gebäude bahnen. Wird es über einen längeren Zeitraum eingeatmet, so kann sich Lungenkrebs bilden. Durch bauliche Maßnahmen soll das Radongas in Zukunft aus den Gebäuden verbannt werden. Dies lohnt sich vor allem bei Neubauten, wo sehr gute Ergebnisse erzielbar sind. Die nachträgliche Sanierung macht aber ebenso Sinn. Oftmals reichen schon kleinere Maßnahmen, um die Radonbelastung zu senken. Nur selten sind bei einer nachträglichen Sanierung größere Eingriffe notwendig. Doch der Radonschutz lohnt sich allemal: Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Radon schon im Jahre 1980 als krebserregend eingestuft. Und auch das Bundesamt für Strahlenschutz ist der Auffassung, dass eine hohe Radonbelastung über einen längeren Zeitraum Lungenkrebs verursachen kann.

Hierzulande wird davon ausgegangen, dass circa 5 Prozent aller Lungenkrebsfälle dem Radon zuzuschreiben sind. Radon ist somit nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkarzinome. Obwohl der Zusammenhang wissenschaftlich bereits gut belegt ist, ist das Gefahrenpotenzial von Radon vielen Menschen in Deutschland nicht bewusst. Darum ist es besonders sinnvoll, wenn das Problem durch eine europäische Richtlinie angegangen wird. So werden auch Menschen vor dem radioaktiven Gas geschützt, denen die Gefährlichkeit von Radon nicht bewusst ist.

 

Welchen Weg nimmt das Radon in die Gebäude?

Das radioaktive Edelgas Radon entsteht beim Zerfall von Uran im Erdboden und steigt bis an die Erdoberfläche auf. Die Konzentration, in der das Gas vorkommt, hängt von der geologischen Beschaffenheit des Erdreichs und der Menge des Urans im Erdboden ab. An der frischen Luft verdünnt sich das Radon recht schnell, sodass keine gefährlichen Konzentrationen entstehen können. Trifft das Radon aber auf Gebäude, so kann es sich im Gebäudeinneren ansammeln. Wenn warme Luft im Gebäude nach oben steigt, kann zusätzlich ein Kamineffekt entstehen, der das Radongas förmlich aus dem Boden zieht. Durch undichte Stellen in der Gebäudehülle dringt das Gas dann ins Gebäude ein und sammelt sich dort vor allem in den unteren Räumlichkeiten an. Eintrittspforten stellen dabei vor allem Brunnenschächte, Sickergruben und Abläufe dar; aber auch undichte Rohr- und Leitungsdurchführungen, Risse in der Bodenplatte sowie materialbedingte Undichtigkeiten können zu erhöhten Radonwerten im Gebäude führen.

 

Radon, ein Problem nicht nur in Süddeutschland

Wie stark eine Radonproblematik auftritt, hängt zum Großteil vom Urangehalt des Bodens und der Bodendurchlässigkeit ab. Da die Böden im Erzgebirge, im Fichtelgebirge und im Bayrischen Wald besonders uranhaltig sind, können dort immer wieder sehr hohe Radonbelastungen gemessen werden. Aber auch im Schwarzwald und vielen anderen Regionen sind hohe Radonwerte keine Seltenheit. Im Grunde kann es in fast jeder Region in Deutschland zu erhöhten Messwerten kommen, die bei undichten Gebäuden zu einer Gesundheitsgefahr werden können. Wie hoch eine Region belastet ist, kann letztlich immer nur durch eine Radonmessung vor Ort ermittelt werden. Selbst innerhalb kleiner Regionen können die Radonwerte in der Bodenluft erheblich schwanken. Wer wirklich Gewissheit haben möchte, der muss bei sich zu Hause eigene Messungen durchführen. Die höchsten Werte können dabei zumeist in Kellerräumen gemessen werden. Die Höhe der Messwerte hängen zudem von der Dichtheit des Hauses, vom Baugrund um vom Lüftungsverhalten der Hausbewohner ab.

 

Gibt es bereits amtliche Referenzwerte für Radon?

Entscheidend bei einer Radonbelastung ist der Jahresmittelwert. Dieser liegt bei den meisten Gebäuden in Deutschland um 50 Becquerel pro Kubikmeter Luft (Bq/m³). Etwa 10 Prozent aller Gebäude haben es mit einem Jahresmittelwert von mehr als 100 Bq/m³ zu tun. In seltenen Fällen kann der Wert in einzelnen Gebäuden auf ein Jahresmittel von 1000 Bq/m³ steigen. Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt schon seit Längerem einen Referenzwert von 100 Bq/m³, da ab diesem Wert ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko zu erwarten ist. Der Europäische Rat dagegen hat in seiner Richtlinie Euratom 2013/59 einen Referenzwert von 300 Bq/m³ im Jahresmittel festgelegt. Die einzelnen Nationen der EU können diesen Wert aber auch niedriger festlegen. In der Diskussion stehen zudem auch Werte von 100 Bq/m³, die für Wohnräume, Schulen und Kindergärten in Deutschland gelten sollen. Unternehmen, die jedoch den EU-Referenzwert von 300 Bq/m³ überschreiten, müssen in jedem Fall Maßnahmen ergreifen, um die Radonbelastung zu senken.

Wie man sieht, ist die Diskussion um einheitliche Referenzwerte in Deutschland noch nicht beendet. Ab Februar 2018 soll aber endlich Klarheit herrschen. Bis dahin müssen einheitliche Richtwerte im deutschen Strahlenschutzrecht festgelegt werden. Von den Änderungen der Radon-Richtwerte werden dann große Teile der Wertschöpfungskette im Baubereich betroffen sein. Der neue Referenzwert wird dann auch neue Haftungs- und Gewährleistungsfragen aufwerfen. Dies wird die Baubranche vor neue Herausforderungen stellen.

 

Bei Neubauten Radonwerte senken: aber wie?

Radonschutzmaßnahmen sind im Moment in Bayern und Sachsen am weitesten verbreitet, obwohl dieses Thema eigentlich alle Regionen in Deutschland betrifft. In Bayern werden auch Fortbildungskurse angeboten, die es Personen mit entsprechender Vorbildung ermöglichen, sich zur „Radonfachperson“ weiterbilden zu lassen. Radonfachpersonen kümmern sich dann um Abschirmmaßnahmen von Neu- und Bestandsbauten und führen professionelle Radon-Messungen durch. Um bei Neubauten einen hohen Schutz vor Radon zu erreichen, kommen hierbei häufig spezielle Radonschutzfolien, radongasdichte Ringabdichtungen oder auch Radonschutzfarben zum Einsatz. Mit diesen und anderen Maßnahmen können Gebäude auch in schwer belasteten Gebieten sicher und kostengünstig abgesichert werden.

 

Radonsanierung auch bei Bestandsbauten möglich

Eine nachträgliche Sanierung ist ebenfalls möglich. In vielen Fällen ist hier schon mit kleineren Eingriffen einiges zu erreichen. In seltenen Fällen kann eine nachträgliche Sanierung größere Maßnahmen erforderlich machen. Der Aufwand, der betrieben werden muss, hängt dabei von verschiedenen Faktoren ab: Liegen die betroffenen Räume erdberührend? Ist ein Fußbodenunterbau einsetzbar? Diese und einige andere Fragen müssen zunächst geklärt werden, bevor über die Effektivität und die Kosten einer nachträglichen Sanierungsmaßnahme gesprochen werden kann. Wenn sich Betroffene anschließend für eine nachträgliche Radonsanierung entschließen, dann kommen häufig verschiedene Abdichtungen zwischen den Keller- und den Wohnräumen zum Einsatz. Darüber hinaus werden Risse in den Wänden verschlossen und eventuell auch eine Absauganlage installiert. Bei einer nachträglichen Radonsanierung können manchmal schon einfache Maßnahmen ausreichen, um die Radonwerte zu senken. Lassen Sie sich hierzu einfach von einer Fachperson beraten!


Bild 1: #107459279, Francesco Scatena, Fotolia Text: Werbetexter TCS  Bild 2: Bundesamt für Strahlenschutz


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